Ralph Stefan zieht Halbzeitbilanz beim 1. SC Feucht

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Beim 1. SC Feucht, aktueller Achter in der Bayernliga Nord, hat sich im vorigen Sommer einiges getan. Der langjährige Macher Manfred Kreuzer hatte frühzeitig seinen Rückzug angekündigt und Mitte 2022 vollzogen. Es wurde eine neue Führungs-Mannschaft installiert, an deren Spitze Ralph Stefan (46) steht. Er ist im Vorstand für Sport und Marketing zuständig. Nach einem guten halben Jahr ist die Zeit da, um Bilanz zu ziehen.

Ralph Stefan äußert sich im Interview zur aktuellen Situation beim fußballerischen Aushängeschild des Marktes Feucht.

Nach dem Rückzug von Hauptsponsor Manfred Kreuzer musste sich der SC Feucht im vorigen Jahr neu aufstellen. Ist diese Übergangsphase bereits abgeschlossen?

Ralph Stefan: Bis zum 30. Juni 2022 hat Manfred Kreuzer beinahe im Alleingang den gesamten Etat der Bayernliga gestemmt. Sein Rückzug war und ist natürlich keine ganz einfache Ausgangssituation. Darin liegt aber auch eine große Chance, den Verein für die Zukunft aufzustellen. Wir sind sehr froh, dass Manfred Kreuzer seinen altersbedingten Rückzug lange vor der aktuellen Saison angekündigt hat und die Übergangsphase in der laufenden Saison auch noch in Teilen finanziell begleitet, so dass ein vernünftiger Übergang möglich wurde. Neben den bereits vorhandenen Bandensponsoren konnten wir immerhin acht neue „Firmenpartner“ zum Saisonbeginn finden, die uns als Sponsoren im vier- bis fünfstelligen Bereich unterstützen. Somit ist der Etat der laufenden Saison gesichert. Erfreulich ist, die neu gewonnen Sponsoren bleiben uns auch nächste Saison treu, darauf können wir aufbauen. Der Umbruch ist dennoch noch nicht abgeschlossen. Es geht jetzt darum, die Anzahl der Firmenpartner weiter zu steigern, um den weiterem finanziellen Rückzug von Manfred Kreuzer auch künftig zu kompensieren.

„Somit ist der Etat der laufenden Saison gesichert. Erfreulich ist, die neu gewonnen Sponsoren bleiben uns auch nächste Saison treu, darauf können wir aufbauen.“

Ralph Stefan – Vorstand SC Feucht

Frage: In welchen Bereichen funktionierte es gut, in welchen nicht so gut?

Trotz des Abgangs verschiedener altgedienter Spieler ist es uns gelungen mit einem Jugendkonzept attraktiven Fußball in der Bayernliga zu spielen und gleichzeitig einen einstelligen Tabellenplatz auch trotz des sportlichen Umbruchs zu erreichen. Die Zusammenarbeit mit Florian Schlicker, Serdal Gündogan, Teammanager Michael Schmidt und dem Team und mir konnte nach dem Rückzug von Manfred Kreuzer als Teammanager nahtlos und professionell fortgeführt werden. Den Umbruch im Sponsoring und Umfeld konnten wir vom Team fern halten, sportlich kann man sich stets auf das Wesentliche konzentrieren. Die stabile sportliche Situation und die stabile Finanzlage bestätigen uns in unserem Weg. Mit der lokalen Partnerschaft zu Feucht FM und mit unserem Stadionsprecherteam sind wir sehr gut aufgestellt unsere Botschaft rüber zu bringen. Wir sind ein junges frisches und leistungsfähiges Team, es lohnt sich uns zu unterstützen. Manfred Kreuzer hat sehr viel Zeit investiert in seiner Tätigkeit als Teamchef. So eine wichtige Persönlichkeit kannst du natürlich niemals und gleich gar nicht von heute auf morgen ersetzen. Zum Glück ist unser Manni noch zu jedem Spiel als Gast da.

Wo muss noch nachgebessert werden?

Für die Saison 2022/23 musste im Marketing ohne großes Konzept improvisiert werden. Der Etat ist dennoch wie geschildert gesichert. Nun haben wir nicht zuletzt Dank eines erfahrenen externen ehrenamtlichen Beraters ein professionelles Konzept. Wir öffnen den Verein nach außen und müssen künftig für Außenstehende noch greifbarer werden. Die Botschaft ist: Es ist kein Selbstläufer in Feucht Bayernliga zu ermöglichen. Viele denken das auch deswegen, weil Manfred Kreuzer immer für alles einstand. Wir möchten klar machen, dass wir jeden Sponsor, Fan und Unterstützer, ob groß oder klein, brauchen um weiter zu kommen. Wir sind uns sicher, über die nächsten Jahre entsprechenden Zuspruch durch unser nachhaltiges und frisches Jugendkonzept zu erzeugen. Diejenigen Sponsoren, welche die Bayernliga in Feucht maßgeblich ermöglichen, werden in der neuen Saison an den einzelnen Spieltagen noch besser präsentiert. Das Bandenwerbekonzept ist neu aufgestellt. Nun müssen weitere Firmenpartner, zum Beispiel mit einem Tribünensponsor, gefunden werden, der dort alle Werbeflächen und eventuell den Tribünennamen übernimmt. Wir bieten weiterhin ein familiäres Umfeld, zum Beispiel im Rahmen unseres Fanclubs. Auch nach dem Spiel kommt jeder der möchte im Vereinsheim ins Gespräch. Deshalb werbe ich um jeden Besucher und Fan. Wer einmal kommt, kommt gerne wieder.

Ist der SC Feucht zukunftsfähig aufgestellt?

SC-Vorstand Ralph Stefan

Ja, davon bin ich felsenfest überzeugt. Die positive Entwicklung im Team und Umfeld habe ich hinreichend beschrieben, wir sind gut aufgestellt. Das vereinseigene Grundstück, auf dem das Vereinsheim steht, konnte enorm aufgewertet werden, da nun Baurecht für das Hotel und Funktionsgebäude besteht. Für die Realisierung des Investitionsprojekts läuft ein Projektentwicklungsvertrag mit einem Branchenexperten. Die Umsetzung wäre natürlich ein enormer Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Nach Corona leben wir hier sicher in einer anderen Zeitrechnung und können uns nicht unter Zeitdruck setzen, was nicht bedeutet, dass man nicht intensiv und laufend daran arbeitet. Zunächst mal ist das Vereinsvermögen über das Baurecht enorm gestiegen, was uns sicher den Rückhalt gibt mit hoher Sicherheit in die Zukunft zu blicken. Und übrigens: Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut (lacht).

Wie stellt sich die finanzielle Situation dar?

Wir leben nicht im Überfluss. Viel mehr bin ich sehr dankbar, dass alle Beteiligten in Feucht sehr vernünftig sind. Alle ziehen an einem Strang und tragen dazu wesentlich bei, den geschilderten Umbruch restlich zu schaffen. Sicher verfügen andere Bayernliga-Teams gerade in den vorderen Rängen über größere Etats und damit über mehr finanzielle Möglichkeiten. Wir wirtschaften vernünftig, der Etat ist gesichert und alle Zusagen werden erfüllt. Darauf kann sich jeder in Feucht verlassen.

Wo liegen die Schwerpunkte der Umstrukturierung?

Diese sind bereits geschildert. Auf nahezu allen Ebenen sind wir neu aufgestellt oder werden dies in den kommenden Monaten sein.

Im sportlichen Bereich gab es auch grundlegende Änderungen am Kader. Wie beurteilen Sie den Kaderumbruch?

Viele Insider sahen uns nach den ersten sechs Spieltagen am letzten Platz. Wir haben den Umbruch gut gemeistert. Es wird gerne mal geunkt, auch in Feucht und gerade über den SC. Trotz Umstrukturierung stehen wir letztlich doch für Kontinuität, das zeigt der Saisonverlauf. Unsere sportliche Leitung mit der gleichberechtigten Doppelspitze Schlicker und Gündogan sucht im Amateurbereich seinesgleichen. Die Qualität unserer Trainer motiviert viele junge Spieler aus der Gegend, sich in Feucht in der Bayernliga weiter ausbilden zu lassen. Ohne unsere wirklich überragenden Trainer stünden wir sicher nicht da, wo wir nun sind. Aber auch unserer Mannschaft gilt ein wirklich großes Kompliment. Ich bin sehr stolz auf die Jungs.

Sind sie mit dem bisherigen sportlichen Abschneiden zufrieden?

Mit den 30 Punkten natürlich ja, das ist absolut in Ordnung. Dem jungen Team muss man schon eben auch Zeit geben sich zu finden. Wir haben tolles Potenzial und einen guten Plan uns noch weiter zu entwickeln. Ich bin überzeugt unser junges Team nutzt die restliche Spielzeit, um noch mehr als es das ohnehin schon tat, zu performen. Hier und da werden wir künftig mit noch etwas mehr Erfahrung sicher noch abgezockter agieren. Sicher ist es ein Ziel, mal ohne Gegentor vom Platz zu gehen, auch wenn es das für unsere Zuschauer langweiliger machen würde (lacht).

Wird es im Winter Kaderänderungen geben?

Wir haben uns zusammen mit Majid Salis und Gabriel Hasenbichler verständigt die Verträge zu lösen. Emin Koc und Benjamin Neuendank haben sich verändert. Julian Schäf bat uns um Vertragsauflösung. Mit dem jungen Leon Rukiqi haben wir uns ja im Sturm noch im alten Jahr sehr gut verstärkt. Der Jugendphilosophie werden wir – mit vereinzelten Ausnahmen um die erforderliche Erfahrung einzubringen – auch über den nächsten Saisonwechsel hinaus treu bleiben, dies ist auch meine Maßgabe. Mit 18 Feldspielern und drei Torhütern sind wir quantitativ weiterhin sehr gut aufgestellt.

Was ist sonst noch geplant?

Neben der Ersten ist mir der weitere Wiederaufbau der Reserve wichtig. Wir wollen im ersten Schritt in die A-Klasse. Ich sehe es als sehr wichtig an, das weiter zu forcieren, um Jugendspielern aus dem eigenen Verein in den nächsten Jahren eine seriöse Perspektive zu bieten, über diesen Umweg den Weg in den Kader der Bayernliga zu suchen. Viele der Jungs aus der aktuellen U19 haben darauf Lust, haben Sie mir versichert. Die Reserve ist auch für das Vereinsleben insgesamt eine Bereicherung. Es wird für die neue Saison noch Neues im Jugendbereich geben. Unser Ziel und unsere Vision ist es in einigen Jahren wieder mehrere Spieler der Ersten aus den eigenen Reihen zu haben. Dafür arbeiten wir auf allen Ebenen.  

Interview und Foto: Dirk Meier

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About Author

Simon Schmidt stieg 2016 als Sportreporter und Moderator bei FeuchtFM ein. Seit 2018 ist er Mitglied in der Projektleitung und für das Sport-Ressort verantwortlich. In seiner Freizeit engagiert er sich als Fußball-Schiedsrichter und ist leidenschaftlicher Fußball-, Formel 1- sowie Technik-Fan.

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